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Musikprogrammieren mit Sonic Pi

Posted by dunkelmunkel on 22. April 2017 in Uncategorized |

Ein Beitrag von Esther Alzate Romero

„Informatik ist nur was für Nerds!“, „Das ist eher was für Jungs!“, „Informatik ist kompliziert und nur was für Matheprofis!“, „Da sitzt man den ganzen Tag alleine vorm Rechner!“ – dies sind gängige Vorurteile, die Jugendliche gegenüber dem Fach Informatik haben. Dies liegt vor allem am falschen Bild von diesem Fach und von dem Beruf der Informatikerin / des Informatikers. Dass Informatik Spaß machen kann, ein äußerst kreatives Fach ist, viel kommuniziert wird und man mit Menschen zusammen arbeitet, davon wissen die meisten Schülerinnen und Schülern nichts. Das ist äußerst schade, denn mit diesem recht engen, gesellschaftlich dennoch weit verbreiteten Blick sieht man die Fülle und Möglichkeiten des Fachs nicht und verpasst damit die Chance, junge Menschen für ein so gesellschaftlich relevantes, in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenkendes Fachgebiet zu begeistern. In Deutschland herrscht in diesem Bereich immer noch ein starker Fachkräftemangel, auch deshalb ist es vonnöten, jungen Menschen dieses Fach näher zu bringen.
Als Musikinformatikerin lag für mich daher die Idee nahe, mithilfe von Musik einen neuen, kreativen und emotionalen Zugang zur Informatik zu schaffen. Im Rahmen des Design-Based-Research-Ansatzes entwickle ich eine Unterrichtseinheit zum Musikprogrammieren in der Sekundarstufe 1. In einem mehrstufigen Erprobungs-und Evaluierungsverfahren versuche ich heraus zu finden, ob sich durch diese Unterrichtseinheit das Bild gegenüber der Informatik bei den Schülerinnen und Schülern verändert, ob deren Interesse an der Informatik und deren Selbstwirksamkeitserwartung in Hinblick auf das Programmieren steigt. Zudem untersuche ich, welche zentralen Konzepte der der Informatik innerhalb dieses Konzepts vermittelbar sind. Schwerpunkt meiner Arbeit ist vor allem die gendersensible Gestaltung der Unterrichtseinheit, was bedeutet, dass diese so gestaltet sein soll, dass sie Mädchen und Jungen gleichermaßen anspricht.
Die Musikprogrammiersprache, die ich in diesem Setting verwende, heißt Sonic Pi  und wurde von Dr. Sam Aaron und seinem Team an der University of Cambridge speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt (vgl. Aaron, Blackwell & Burnard, 2016; Burnard, Brown, Florack, Major, Lavicza & Blackwell, 2014).
Im Frühsommer 2016 startete ich meine erste Erprobungsphase in Zusammenarbeit mit Leonore Dietrich. In einer fünfwöchigen Erprobungsphase (jede Woche eine Doppelstunde) erprobten wir das Konzept im Teamteaching zusammen mit einer Musiklehrerin. Die erste und sehr eindrückliche Erfahrung war für mich, dass viele Probleme, die wir im Vorfeld gesehen hatten, gar nicht entstanden und einige Dinge, die wir uns ganz leicht vorgestellt hatten, sich als immense Zeitfresser (siehe u.a. die unten beschriebenen Softwareprobleme) heraus kristallisierten. Die Jugendlichen machten ganz wunderbar mit und ich war von ihrer schneller Auffassungsgabe, ihrer Kreativität und von ihrem musikalischen Gespür tief beeindruckt. Sehr sinnvoll erschienen mir die Interviews, die ich im Nachgang mit einigen Schülerinnen und Schülern führte. Auch hier war es sehr erkenntnisreich, die eigenen Eindrücke und Deutungen mit deren Erfahrungen, Wünschen und Kritikpunkten abzugleichen. Zum Beispiel hatte ich etwas Sorge, dass die erste Doppelstunde, die wir nicht im Computerraum verbrachten, für die Schülerinnen und Schüler zu langweilig gewesen sein könnte. Ihr Feedback war jedoch durchweg positiv. Sie empfanden den Einblick in die Geschichte der elektronischen Musik und der Computermusik als spannend. Auch unsere unplugged-„Aufwärmübung“, bei der sie sich gegenseitig an einem Instrument „programmieren“ sollten, beschrieben sie als hilfreich, um sich später schneller in die echte Programmierung einfinden zu können.
Leider gab es, verständlicherweise, großen Unmut darüber, dass das Programm unter Windows häufig abstürzte. Dieses Problem wollen wir im nächsten Durchgang lösen, indem wir mit Raspberry Pi’s arbeiten, für die das Programm ursprünglich auch konzipiert wurde. Ein Vorteil hiervon wäre zudem, dass die Schülerinnen und Schüler die Mini-Hardwarelösung mit nach Hause nehmen könnten, um dort vertieft an ihren Projekten zu arbeiten.
Ein weiterer Zeitfresser waren die den Schülerinnen und Schülern unverständlichen Fehlermeldungen auf Englisch, die das Programm ausgab. Diese werden wir im nächsten Durchgang versuchen anzugehen, in dem wir in einem ersten Schritt die häufigsten Fehlermeldungen dokumentieren. In einem zweiten Schritt wird dann Unterrichtsmaterial für das richtige Lesen und Verstehen von Fehlermeldungen in Sonic Pi erstellt.

Ich freue mich über einen Austausch mit anderen Sonic Pi-Usern. Wer von euch hat auch schon Erfahrungen mit Sonic Pi im Unterricht gemacht?

Literatur:
Aaron, S., Blackwell, A.F. & Burnard, P. (2016). The development of Sonic Pi and its use in educational partnerships: Co-creating pedagogies for learning computer programming. Journal of Music, Technology and Education 9(1), 75-94.
Burnard, P., Brown, N., Florack, F., Major, L., Lavicza, Z., & Blackwell, A. (2014). Sonic Pi. Live and Coding. Research Report.  Verfügbar unter http://www.sonicpiliveandcoding.com [20.03.2017]

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