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Fachdidaktische Entwicklungsforschung ganz praktisch

Posted by dunkelmunkel on 16. Oktober 2015 in Design-Based Research |

Ein Beitrag von Guaky aka Simone Dinse de Salas

Der weite Weg und die Strapazen mit der Deutschen Bahn haben sich gelohnt. Prof. Dr. Susanne Prediger stellte gekonnt die Methodologie der Fachdidaktischen Entwicklungsforschung anhand praktischer Beispiele des Funken-Kollegs vor. Der Ansatz ist sowohl theoriegestützt und empiriebasiert als auch unterrichtsrelevant. Hierbei geht es sowohl um grundlegendes Verstehen und Analysieren als auch um Gestalten und Verändern. Konkret wird die Lernprozessebene in den Dortmunder Projekten fokussiert. Dabei wird ein zirkulärer Prozess durchlaufen, der damit beginnt, Lerngegenstände zu spezifizieren und zu strukturieren. Auf dieser Basis wird das Design entwickelt, welches in Form von Design-Experimenten durchgeführt und ausgewertet wird. Design-Experimente finden in der Regel mit zwei Schülerinnen und Schülern und einer Lehrperson in einer Art Laborsetting statt. Der Lernprozess wird videografiert und anschließend ausgewertet. Besonders wichtig fand ich den letzten Schritt, die Entwicklung lokaler Theorien. Diese sind selbstverständlich gegenstandsspezifisch, geben jedoch ausführliche Auskunft über Lernverläufe und Hürden. Des Weiteren entstehen lokale Theorien zu Wirkungsweisen und Bedingungen von Design-Elementen. Es entsteht empirisch fundiertes Wissen.

In Murmelrunden besprachen wir in Kleingruppen immer wieder den Bezug zu unseren konkreten Projekten. Ruth Cohn hinterlässt ihre Spuren in dieser Methode. Welcher Kategorie von Wissen entspricht mein Forschungsprojekt? Handelt es sich eher um Beschreibungswissen, Erklärungswissen oder Handlungswissen? In meinem konkreten Projekt geht es um die Entwicklung von Handlungsempfehlungen.

Susanne Prediger empfiehlt auch das verwendete Material mit zu veröffentlichen, um Transparenz zu schaffen und die Möglichkeit zu schaffen good practices weiterzuverwenden. Aufgabenstellungen stellen sich auf diese Weise der Kritik. Das Aushalten dieser lohnt sich. Konkret bedeutet das für mich, dass ich in meine Design Pattern noch die Rubrik Material mitaufnehmen werde. Alles in allem ermutigte der Workshop sich den Herausforderungen qualitativer Forschung zu stellen!

3 Comments

  • Luci sagt:

    Danke für Deinen Bericht! Ich habe ein paar Fragen dazu:
    Wie wurde das Laborsetting begründet? Zwei SuS sind in der Schulpraxis ja eher selten.
    Was ist mit “Lokaler” Theorie gemeint? Dass die Theorie nur auf die beiden SuS oder auf eine bestimmte Schule oder den Einzugsbereich oder… bezogen werden kann?
    Worauf gründet die Kategorisierung von Wissen? Ich kann zwar verschiedene Stufen (beschreiben, erklären, handeln) erkennen, aber, warum muss ein Forschungsproekt einer Stufe zugeordnet werden? Oder anders: Ist Handlung nicht das Ergebnis von Beschreibung und Erklärung? Müsste eine Handlungsempfehlung also nicht auch auf Beschreibung und Erklärung basieren?
    Warum wird die Veröffentlichung des Materials hervorgehoben? Ist das bisher nicht üblich?

  • Simone Dinse de Salas sagt:

    Begründung des Laborsettings: In den Forschungsprojekten geht es um die Erforschung von Lernprozessen und Hürden in diesen Prozessen. Für diese Zielsetzung ist es möglich mit zwei Schülern zu arbeiten. Das Sampling ist hier besonders wichtig. Ein Bsp. Kinder mit Deutsch als Zweitsprache haben Schwierigkeiten beim Erlernen von Mathematik. Durch das Arbeiten mit je zwei DAZ Schülern wurden Erkenntnisse über Hürden und mögliche Hilfen im Lernprozess gefunden.
    Lokale Theorien: Um den Zusammenhang für alle SuS herzuleiten muss dann ein quantitatives Verfahren folgen. Lokal meint hier auf ein konkretes Thema und ein konkretes Sampling bezogen. Die Psychologie verwendet zwar auch immer ein konkretes Beispiel schließt dann aber in der Regel auf Allgemeines. Der Ansatz ist in dem Sinne eher bescheiden und verallgemeinert zunächst nicht. Theoretisch ist es aber denkbar.
    Kategorisierung von Wissen: Wir haben auch gesagt, dass das für uns aufbauend erscheint. Da wollte Sie sich aber nicht einengen lassen.
    Veröffentlichung von Material: Das ist wohl in der Regel nicht so, dass das offen gelegt wird. Auch weil das Herumkritisieren an Formulierungen unangenehm ist. In der Design-Pattern-Literatur, in der ich gestöbert habe, war es auch immer ohne Material, relativ abstrahiert. Ich finde den Vorschlag aber gut, das Material rein zunehmen, weil es nur dann für Folgeforschung und für die Praxis weiterverwendet werden kann und einen Ertrag bringt.

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