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Globales und interkulturelles Lernen in MOOCs?

Posted by dunkelmunkel on 31. Januar 2014 in New Games and Stories |

Orchidee ist ein neues Mitglied in der Gilde und hat gleich einen Blogbeitrag zu ihrem Forschungsprojekt geschrieben. Vielleicht habt ihr wertvolle Hinweise für sie?

Wir leben in einer globalisierten Welt. Unser Leben ist geprägt von ständigem Wandel, permanente Veränderungen sind Teil unseres Lebens. Diese Veränderungen sind jene unserer Lebensweise, unseres Alltages, der Arbeitswelt und auch Veränderungen in Bildungsprozessen. Dem Web kommt bei all dem eine besondere Bedeutung zu: Zum einen verknüpft es Menschen auf der ganzen Welt miteinander und befördert somit Globalisierung und Interkulturalität. Zum anderen ist es Katalysator für schnelle Veränderungen, ist dabei aber gleichzeitig eine Informationsumgebung, die Anpassung an die schnell ändernde Welt ermöglicht. MOOCs sind dabei eine neuere Entwicklung, die globales und interkulturelles Lernen ermöglichen könnten: Menschen auf der ganzen Welt, mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund, lernen zur selben Zeit in einer gemeinsamen Lernumgebung.

Globales Lernen ist ein Konzept, dass ganzheitlich orientiert ist, mit dessen Hilfe interdisziplinäre Inhalte und Kompetenzen vermittelt werden sollen. Themen, die beim Globalen Lernen eine Rolle spielen, sind bspw. Bildung in den Entwicklungsländern oder Eine-Welt Themen. Diese sollen Lernenden näher gebracht werden und ihre Kompetenzen fördern. Interkulturelles Lernen hingegen bezeichnet das Verhalten von Menschen gegenüber „Anderen“, das Verständnis gegenüber fremder Kulturen und soll die Interkulturelle Kompetenz fördern. Mit Interkultureller Kompetenz soll das respektvolle Miteinander und auch die Kommunikation zwischen fremden Kulturen gefördert werden. Beide Aspekte sind ähnlich, unterscheiden sich aber dadurch, dass der Fokus Globalen Lernens auf Themen, beim Interkulturellen Lernen  auf Verhaltensweisen liegt. MOOCs haben das Potenzial, sowohl globales als auch interkulturelles Lernen zu fördern. Aber tun sie es?

In meiner Masterarbeit möchte ich untersuchen, ob MOOCs diesem Anspruch gerecht werden: Fördern MOOCs globales und interkulturelles Lernen? Nutzen sie die Chance einer interkulturellen Lerngruppe? Werden globale Themen aufgegriffen? Werden interkulturelle Kompetenzen gefördert?

  • Was gehört für euch zu Globalem Lernen?
  • Was gehört für euch zu Interkulturellem Lernen?
  • Kennt ihr MOOCs, in denen Globales Lernen und/oder Interkulturelles Lernen umgesetzt wird?
  • Kennt ihr hilfreiche Literatur zum Thema? Welche Kompetenzraster/ Checklisten gibt es bisher zu interkulturellem/ globalem Lernen?
  • Wie könnte man in MOOCs eurer Meinung nach Globales oder Interkulturelles Lernen fördern?

6 Comments

  • Oliver Tacke sagt:

    Ich habe bereits an MOOCs teilgenommen, die von Angehörigen unterschiedlicher Kulturkreise besucht wurden (sofern sich Kulturkreise als Theorie aufrecht erhalten lassen). Nachträglich betrachtet ist es mit bei der Kommunikation in Foren (auf Englisch) zumindest nicht aufgefallen, dass meine GesprächspartnerInnen einen anderen kulturellen Hintergrund haben könnten als ich.

  • jazzy sagt:

    Zu diesem Thema kann ich leider nicht viel beitragen, was Deine Fragen anbelangt. Zwei kurze Gedanken, die vielleicht interessant sein könnten:
    1) Soweit mir bekannt ist, wird momentan hauptsächlich transkulturelles Lernen in Unterscheidung zu interkulturellem Lernen diskutiert (http://wwwuser.gwdg.de/~kflechs/iikdiaps9-96.htm).
    2) Was konkret dazu gehört, ist m.E. auch eine Frage der anvisierten Zielgruppe … so finden sich sicherlich in den aktuellen Bildungsstandards des Faches EWG (Realschule) dazu Hinweise für Schüler.

    Viel Erfolg!
    jazzy

  • Hallo Orchidee,

    zum Thema “Interkulturelles Lernen” und “Interkulturelle Kompetenz” kann ich folgendes Material empfehlen:

    Rathje, Stefanie (2006), “Interkulturelle Kompetenz – Zustand und Zukunft eines umstrittenen Konzepts”. Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht [Online] 11: 3, 15 S. – Online: http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-11-3/docs/Rathje.pdf

    Claus Altmayer: “Von der Landeskunde zur Kulturwissenschaft. Innovation oder Modetrend?” (In: Germanistische Mitteilungen 65/2007) (Den Text könnte ich als PDF schicken, wenn gewünscht)

    Claus Altmayer: Kultur als Hypertext. Zur Theorie und Praxis der Kulturwissenschaft im Fach Deutsch als Fremdsprache. Iudicium Verlag München 2004, S. 36 ff.

    Material von mir zu Seminaren zur interkulturellen Landeskunde, in dem Du auch ein paar Gedanken und Quellen zum Thema findest:

    http://wwwpub.zih.tu-dresden.de/~uzeuner/studierplatz_landeskunde/kapitel_0_start.htm

    https://bildungsportal.sachsen.de/opal/url/RepositoryEntry/3635314688/CourseNode/86013483917448

    Wenn interkulturelles Lernen das Ziel hat, Fremdes zu verstehen, dann könnte man für “Fremdverstehen” die Definition von Claus Altmayer verwenden:
    ” ‚Fremdverstehen’ heißt …, dass Fremdsprachenlerner
    – bereit und in der Lage sind, die eigenen individuellen und/oder kulturellen kognitiven Schemata der Welt- und Wirklichkeitsdeutung zu relativieren und in Frage zu stellen;
    – die eventuelle ‚Fremdheit’ und Unverständlichkeit von fremdsprachlichen Texten und Äußerungen prinzipiell auf diesen Texten/ Äußerungen möglicher Weise zu Grunde liegende andere und unbekannte kognitive Schemata zurückführen können;
    – die ‚fremden’ Schemata als potenzielle Gründe, die für die mit fremdsprachlichen Texten und Äußerungen erhobenen Geltungsansprüche sprechen könnten, rekonstruieren können;
    – auf der Basis dieser Rekonstruktion der rationalen Gründe von Geltungsansprüchen dazu begründet Stellung nehmen, d.h. die Gründe als hinreichend akzeptieren oder als inakzeptabel zurückweisen können.

    ‚Fremdverstehen’ im Sinne eines verstehenden, an Verständigung orientierten Umgangs mit Texte, Äußerungen oder ganz allgemein mit kommunikativen Handlungen einer anderen Sprach- und Kommunikationsgemeinschaft ist also nicht gleichzusetzen mit ‚Empathie’ oder dem Einnehmen einer ‚fremden’ Perspektive bei gleichzeitiger Suspendierung des ‚Eigenen’; ‚Fremdverstehen ‚ ist auch nicht gleichzusetzen mit ‚Verständnis’ im Sinne eines vorgängigen Einverständnisses, wonach alles ‚Fremde’ allein deswegen als wertvoll anzusehen wäre, weil es fremd ist. Fremdverstehen ist vielmehr ein Prozess der auch kritischen Auseinandersetzung, der zwar von der Erwartung ausgeht, dass die kommunikative Handlung eines ‚Fremden’ eine prinzipiell rationale und sinnvolle Handlung ist und mir möglicher Weise etwas Wichtiges zu sagen hat, in dessen Verlauf sich diese Erwartung aber auch als unbegründet erweisen kann. Und nicht zuletzt handelt es sich beim Fremdverstehen selbst wiederum um eine kommunikative Handlung, die ihrerseits verstanden werden muss und deren Geltungsansprüche ihrerseits der kritischen Prüfung durch die Kommunikationsgemeinschaft unterzogen werden können bzw. müssen, die also nicht an irgendeiner Stelle einen definitiven Abschluss finden kann.” (Claus Altmayer: Kultur als Hypertext. Zur Theorie und Praxis der Kulturwissenschaft im Fach Deutsch als Fremdsprache. Iudicium Verlag München 2004, S. 70/71).

    Wenn man das so sieht, dann muss man davon ausgehen, dass MOOCs interkulturelles Lernen nicht per se fördern. Ich denke, dass das (nur?) mit cMOOCs funktionieren kann, wenn diese bewusst (auch) an der Zielstellung “interkulturelle Kompetenz” und “Fremdverstehen” arbeiten …

    Ich hoffe, ich konnte helfen. Bin auf Deine und andere Meinungen dazu gespannt.

    Ulrich Zeuner – http://tu-dresden.de/Members/ulrich.zeuner

  • Orchidee sagt:

    Vielen lieben Dank für eure Beiträge/ Links. Es sind sehr nützliche Dinge dabei, die ich für die Thesis benutzen kann. Bin weiterhin offen für jeden weiteren Beitrag/ Tipp 🙂

    • Hallo Orchidee,

      Ich bin am dem SS an der PH Heidelberg in der Fakultät II im Bereich Deutsch als Fremdsprache tätig.
      In meiner Dissertation habe ich interkulturelles Lernen in virtuellen Welten untersucht.
      Wir können uns gerne demnächst mal auf einen Kaffee treffen, meine Dissertation wird hoffentlich im Sommer publiziert werden, bis dahin kann ich gern im Gespräch Auskünfte geben.

      Neben den guten Hinweisen von Ulrich Zeuner und jazzy schau dir doch im Vorfeld schon mal Byrams Modell interkultureller Kompetenz an, als Ausgangspunkt finde ich es sehr sinnvoll…

      Herzliche Grüße
      Katrin Biebighäuser

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